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Schatten vom 08.02.2008

Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Natürlich nur, wenn man dem Licht entgegen geht und den Ereignissen dicht auf den Fersen bleibt. Im wörtlichen Sinne dem Licht entgegen gegangen sind sieben Neugierige vom Fotoclub Dresden 74, haben im Karstadt 5 Etagen unbeeindruckt von lockenden Angeboten überwunden, den Lichthof des Karstadt Restaurants erreicht und dort auch tatsächlich Schatten gefunden. Diese kamen aber nicht vom Licht im Karstadt, sondern vom Fotoaktiv 57 aus Dresden. Tatsächlich hat es dieser Fotoclub geschafft, eine Auswahl schwarz-weißer Bilder zum Thema Schatten an die schönen Wände des Restaurants zu hängen.

Hinter den Tischen, und für manchen Besucher des Restaurants scheinbar auch hinter dem Horizont, hängen etwa 40 Bilder, die alle etwas mit Schatten zu tun haben. Schatten als Hauptmotiv, als Verstärkung, als gestalterisches Element, Schatten von Menschen, Gebäuden, Blumen, Gläsern, Gräsern, Dingen. Allesamt Schatten vom besonderen Licht des Fotografen.

Die Auswahl, Präsentation und Zusammenstellung der insgesamt drei Teilbereiche der Ausstellung ist gut gelungen und hat die heimlichen Juroren überzeugt. Der Eindruck aus größerem Abstand ist edel und wertig, was den guten Bedingungen von Beleuchtung, Galeriesytem und der farblichen Verwandtschaft von Wand- und Rahmenfarbe zu verdanken ist. Aus der Nähe betrachtet, findet man Bilder der Sujets Architektur, Akt, Stilleben, Landschaft, People, Natur, geheftet auf weißen Karton, versehen mit handschriftlicher Signatur und Titelvermerk des Autors, in der Zeit zwischen 2004 und 2007 von verschiedenen Mitgliedern des Fotoaktiv 57 geschaffen. Die Qualität der Rahmen ist gut, die der weißen Kartons hinter den Bildern, der Abzüge und des Finishs unterliegt Schwankungen und verläuft zwischen den Marken sehr gut bis noch ganz gut.

Selbstverständlich gingen die Meinungen über das beste Bild zwischen den jurori incogniti auseinander. Wichtig bleibt festzuhalten: jeder hat eins gefunden.

Diesem Eindruck konnte sich einer der Gäste des Restaurants nicht anschließen. Aufmerksam gemacht durch das Blitzfeuerwerk unserer Aufnahmen, mit denen wir hauptsächlich uns selbst fotodokumentiert haben, nahm er die Gelegenheit war, bei offensichtlich Fotografiebegeisterten seinen Unwillen über dieses Genre als nicht akzeptablen Bereich der Kunst wie auch über die unverständlichen Inhalte und Aussagen der gehängten Bilder loszuwerden. „Was bitte“ , meinte er zu Maggy und Beate, „soll mir dieses Bild sagen und was ist überhaupt dargestellt?“ Dabei zeigte er auf ein Werk mit dem Titel „Schattenspiele“, bei dessen Betrachtung die Befragten auch nur vage Vermutungen äußern konnten, was sie sich darunter vorstellen könnten. Die Rede war von Brüsten, Schatten und Fantasie.

Der wahre Künstler bleibt eben häufig unverstanden. Aber: besser unverstanden, als unbeobachtet, denn vielen Schmausenden war der Tellerrand näher als die ausgestellten Schatten an der Wand.

Und so waren sie wieder beisammen, die zusammengehören: Licht und Schatten, die Freude über eine gelungene Präsentation der Fotofreunde vom Fotoaktiv 57, der heimliche Spaß, diese Ausstellung als Inkognito-Juroren zu besuchen und zu beurteilen und der unheimliche Dämpfer, daß es doch Viele gibt, denen Fotos nichts gelten, welche Mühe man sich auch macht.

Das wird aber weder den Fotoclub Dresden noch das Fotoaktiv 57 davon abhalten, mit solch guten Ausstellungsmöglichkeiten und Bildern zu demonstrieren, was uns am Herzen liegt, im Licht und auch im Schatten.

Horst Kath



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